Pferdeaufstellung

Angst vor Ablehnung

Wie oft kommen wir als Erwachsene in die Situation, etwas, das wir gerne tun würden, zu unterlassen, weil wir uns einfach nicht trauen zu tun, was uns Freude macht. Sofort ermahnt uns eine innere Stimme. Was werden die anderen sagen? Was, wenn ich etwas falsch mache? Was, wenn ich mich blamiere und die anderen mich auslachen? Oder noch verborgener könnte das Muster lauten: was, wenn ich etwas falsch mache und bestraft werde? Was, wenn ich bestraft werde, weil ich etwas tue, wie ich es für richtig halte, etwas, das mich glücklich macht?

 

Ein „Hirntapperl“ (oder mehr) mit Folgen

Wer Angst vor Urteilen und Ablehnung durch andere hat, findet die Lösung dafür meist in der frühen Kindheit und vor allem auch in der Schulzeit. Wie oft haben Eltern das kleine Kind kritisiert, weil es nicht nach ihren Vorstellungen gehandelt hat. Wie oft hat es dort und da ein sogenanntes „Hirntapperl“ gegeben, um mit merk-würdiger Gestik der Nicht-Zustimmung zur Handlung des kleinen Kindes Ausdruck zu verleihen? Oder mit heftigeren Methoden? Wie oft wurden manche in der Schule durch ihre MitschülerInnen gehänselt, ausgelacht, verbal oder sogar physisch attackiert, weil sie als schwach gegolten haben? Wie oft kam es vor, dass das Schulkind durch die Lehrperson verbal niedergemacht wurde, vor all den anderen bloßgestellt? All dies hat im kleinen Kind tiefe Spuren und Wunden hinterlassen. Auch wenn die Zeit vergeht und das kleine Kind groß geworden ist, die Wunden zu Narben verblasst sind, eine (versteckte) Erinnerung daran ist geblieben, die das Verhalten geprägt und im Erwachsenen nun immer wieder sichtbar wird.

 

Warum Vergebung nicht immer heilsam ist – Erfahrungen aus der Praxis

Ich habe bereits viele Klientinnen mit leidvollen Erfahrungen (schwere Misshandlungen und sexueller Missbrauch, Mobbingopfer, aber auch mit scheinbar weniger tiefen Wunden) begleitet. Was mich stets verwundert hat, war, wie sehr und wie lange diese bereits (oftmals seit Jahren und sogar Jahrzehnten) an sich gearbeitet haben. Meist haben unsere Sitzungen mit den Worten begonnen: ich habe ein Problem, aber mein Mutter-/Vaterthema hab ich schon lange bearbeitet. Da bin ich absolut im Frieden, da gibt’s nichts mehr zu heilen. Und jedesmal zeigten sich genau dort tiefe Wunden, aufgestaute Wut, Tränen des Zorns aber auch der Erlösung und Erleichterung während der Aufstellung. Warum? Weil in den meisten Fällen eines gefehlt hatte: die „Anklage“.

Die Betroffenen haben meistens sofort mit Vergebungsarbeit begonnen. Das kann in Fällen der Demütigung, des tatsächlich erlittenen Schadens (tiefen Verletzung) der verletzten Würde, nicht funktionieren. Der Mensch fühlt sich als Opfer, wenn es wehrlos Angriffen von jemandem ausgeliefert ist, der körperlich und/oder geistig stärker als es ist. Das Opfer ist schwach, wenn es nicht die Möglichkeit hat, zu erkennen, dass es sich wehren kann. In den meisten Fällen fühlten sich die Betroffenen ihr ganzes Leben schwach, weil sie die Täter nie zur Rechenschaft ziehen konnten. Entweder weil die Täter bereits alt und selbst wehrlos waren, oftmals schon verstorben oder – wenn es sich um die Schulzeit handelt – man kaum die Möglichkeit hat, die Täter von damals zu kontaktieren.

Etwas auszusprechen, das uns angetan wurde (dabei ist die Art des Erlebten nicht zu bewerten, es geht allein um die persönliche Wahrnehmung), ist heilsam und gibt Kraft.

Auf Gehör jener (in der Aufstellung sind es Repräsentanten) zu stoßen, die uns weh getan haben, ist heilsam und gibt Kraft. Dort, wo wir einst wehrlos waren, bekommen wir in der Aufstellung unsere Würde zurück. Weil wir jene anklagen können, die uns Leid zugefügt haben. Und meist – nicht immer, aber sehr oft – übernehmen die Täter in der Aufstellung die Verantwortung dafür, was sie uns angetan haben. Durch das Anerkennen dessen, dass sie uns weh getan haben bzw. Hilfe unterlassen und zugesehen haben, wie uns weh getan wurde, kann Ausgleich entstehen. Und das Opfer bekommt eine Stimme. Das Leid wird gewürdigt und das Unrecht anerkannt. Erst dann kann Vergebung stattfinden. Wobei auch hier Vorsicht geboten ist. Nicht alles kann vergeben werden. Nicht alles muss vergeben werden. Wenn Vergebung schwächt, dann ist sie der falsche Weg. Die Anerkennung dessen, dass man sich nicht wehren konnte und hilflos ausgeliefert war, ebenso die Anerkennung, das Aussprechen der Wahrheit und das Erkennen der Schwäche des anderen der sich dies zu Nutzen gemacht hat. Das bringt uns unsere Macht zurück. Das lässt uns aus der Ohnmacht und der Hilflosigkeit aussteigen. Das lässt uns erkennen, dass wir die Kraft und das Recht auf unseren eigenen Weg haben. Weil es unseren Wert langsam erkennbar macht. Und ihn mehr und mehr spürbar steigert. Und wir uns langsam heranwagen. An ein Leben nach unseren eigenen Vorstellungen.

 

Wenn es einfach zu schmerzhaft ist, darüber zu reden….

… dann eine Aufstellung mit Pferd sehr heilsam sein. Warum? Pferde sind sehr sensible Geschöpfe, die unsere Seele verstehen. Die uns und unsere Gefühle spüren, noch bevor wir selbst ein Gefühl überhaupt wahrnehmen können. Pferde können tiefe Wunden heilen und zeigen uns in der Aufstellung, was wir brauchen und wann etwas geheilt ist. Es ist unvoreingenommen und zeigt auf, was ist. Es spiegelt uns was wahr ist, aber auch, was wir nicht sehen wollen. Es streichelt unsere Seele und trägt uns den Balsam auf unsere Wunden auf.

 

 

 

 

 

Gerne bin ich für dich da.

Mit (und natürlich auch ohne) Pferd – bitte schreib mir oder ruf mich für eine Terminvereinbarung einfach an.

+43 (0) 676 590 48 42

Wenn dir der Anreiseweg zu weit ist, können wir natürlich auch online aufstellen, via Skype bzw. Zoom.

Ich freue mich auf Dich! Von Herzen Gabriele